Die Launen des Wassers
Das Leben ist kein langer ruhiger Fluss: Mit dem Hausboot über den
Shannon-Erne-Waterway von Ballinamore in der Republik bis nach Nordirland

Hinter der Biegung erscheint die erste Schleuse. Sie sieht friedlich aus: die Ampel an der Einfahrt steht auf Grün, kein Schiff ist zu sehen. Also: langsam hineinfahren, aber nicht treiben lassen. Möglichst wenig an die Wände rempeln. Anhalten, bevor das Bug gegen das geschlossene Schleusentor knallt. Zu diesem Zweck zuvor herausspringen und festmachen. Vorne und hinten. Es läuft sehr gut. Einer bleibt im Boot, der andere bedient das Schaltpult an Land: Ein Tor schließen, das Wasser ablaufen lassen, das Boot verschwinden sehen, das
andere Tor öffnen. Losmachen und zusteigen.
Wir nehmen den langsamen Weg nach Norden. Über den Shannon-Erne-Waterway und die Erne-Seen wollen wir Belleek erreichen, ein idyllisches Städtchen, das nur eine Biegung des Erne vom Atlantik entfernt liegt. Der Fluss verbreitert sich über achtzig Kilometer zu zwei großen Seen: den Upper Lough Erne, ein Labyrinth Hunderter Inselchen, und den Lower Lough Erne, der breit in Richtung Meer schwappt. „Weather permitting!“ hatte Patrice vom Bootsverleih gemahnt. Und hinzugefügt: „Sie merken, wenn es zu stürmisch ist.“ Weht der Wind nämlich vom Atlantik, pfeift er ungebremst zwischen die Berge an den Ufern des unteren Sees...


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