Fotos: Jochen Tack
www.tack-fotografie.de
jt@tack-fotografie.de
Schön, weit, einsam
Ein Wintermärchen: Mit dem Postschiff nach Nordnorwegen

Vor dem Fenster ziehen verschneite Berge vorbei, kleine Inseln und manchmal ein paar Holzhäuser. Das Wetter wechselt in Minutenschnelle. Helles Morgenlicht verwandelt sich in dichtes Schneetreiben, bald darauf strahlt die Sonne aus jäh aufgerissenem Himmel. Dann schimmern Berge und Felsen weiß, bläulich und violett, zu ihren Füßen liegt spiegelglatt dunkelblaues Wasser. Keine Winterdepression könnte wohl so schwer wiegen, dass man sich beim Anblick dieser erhabenen Landschaft nicht gleich ein wenig besser fühlte. Weil es so schön ist, so still und so weit weg von allem. Da vergisst man vieles - sogar, wie man im rauen Seegang der Nacht zuvor um ein Haar auf dem Kabinenboden erwacht wäre. So stark schlingerte das Schiff.
Allein im Winter – der hier erst Anfang Mai endet -, wenn die Landstraßen Nordnorwegens unpassierbar sind und bei Schneesturm auch die Flughäfen schließen, erfüllt die Hurtigrute noch ihren eigentlichen Sinn: die Orte jenseits des Polarkreises mit der Außenwelt zu verbinden. Im Speisesaal ist es dann fast so still wie an den Küsten, die an den Fenstern vorbeiziehen, die Liegestühle an Deck sind zusammengeklappt und festgebunden, das Be- und Entladen bestimmt den Rhythmus an Bord. Während der kalten Jahreszeit in die Sonne fliehen – das kann jeder. Doch erst diese Reise erfüllt das Wort „Winter“ mit Bedeutung...


zurück