Schön,
weit, einsam
Ein Wintermärchen: Mit dem Postschiff nach Nordnorwegen
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Vor dem Fenster ziehen verschneite Berge vorbei, kleine Inseln
und manchmal ein paar Holzhäuser. Das Wetter wechselt
in Minutenschnelle. Helles Morgenlicht verwandelt sich in
dichtes Schneetreiben, bald darauf strahlt die Sonne aus jäh
aufgerissenem Himmel. Dann schimmern Berge und Felsen weiß,
bläulich und violett, zu ihren Füßen liegt
spiegelglatt dunkelblaues Wasser. Keine Winterdepression könnte
wohl so schwer wiegen, dass man sich beim Anblick dieser erhabenen
Landschaft nicht gleich ein wenig besser fühlte. Weil
es so schön ist, so still und so weit weg von allem.
Da vergisst man vieles - sogar, wie man im rauen Seegang der
Nacht zuvor um ein Haar auf dem Kabinenboden erwacht wäre.
So stark schlingerte das Schiff.
Allein im Winter der hier erst Anfang Mai endet -,
wenn die Landstraßen Nordnorwegens unpassierbar sind
und bei Schneesturm auch die Flughäfen schließen,
erfüllt die Hurtigrute noch ihren eigentlichen Sinn:
die Orte jenseits des Polarkreises mit der Außenwelt
zu verbinden. Im Speisesaal ist es dann fast so still wie
an den Küsten, die an den Fenstern vorbeiziehen, die
Liegestühle an Deck sind zusammengeklappt und festgebunden,
das Be- und Entladen bestimmt den Rhythmus an Bord. Während
der kalten Jahreszeit in die Sonne fliehen das kann
jeder. Doch erst diese Reise erfüllt das Wort Winter
mit Bedeutung...
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